Urheberrecht (Copyright)

Die Frage nach den Auswirkungen geistigen Eigentums taucht immer wieder auf, wenn es um Blogs und Internetveröffentlichungen von Fan- und Rollenspielmaterial geht. Deshalb möchte ich hier eine Übersicht über einige Formen von geistigem Eigentum geben, vor allem über Urheberrecht.

Dieses ist in jedem Staat etwas anders geregelt, gewisse Mindestanforderungen sind jedoch über einen internationalen Vertrag, die Berner Übereinkunft (erste Fassung: 1886) zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst, einheitlich geregelt.

Urheberrecht soll also Literatur und andere künstlerische Werke schützen. Der Schutz ist sowohl gewerblicher Natur (Copyright: wörtlich das „Recht zur Kopie“) gegen Plagiate, unlautere Nutzung, insbesondere unerlaubte gewerbliche Nutzung durch Dritte, als auch moralischer Natur (Urheberrecht): er umfasst das Recht auf Autorennennung als auch das Recht Veränderungen an seinem Werk zu untersagen.

Nutzungsrechte können verkauft/übertragen werden, das Recht auf Autorennennung bleibt dagegen immer beim Urheber.

Das Urheberrecht tritt automatisch in Kraft, ohne das der Urheber sein Werk amtlich registrieren oder gar Gebühren dafür zahlen müsste, er ist noch nicht einmal gezwungen, sein Werk zu veröffentlichen, um den Schutz zu genießen. Sobald ein Werk vollendet und fest fixiert (niedergeschrieben, abgespeichert) ist, beginnt das Urheberrecht zu wirken. Das heimlich ins Tagebuch gekritzelte und in der Kommode eingeschlossene Emo-Gedicht genießt Urheberrecht, die ohne Aufnahme spontan vor 100 Leuten improvisierte Melodie nicht.

Das Werk muss eine unabhängige Schöpfung durch den Urheber mit schöpferischem Anteil sein. Selbst das bloße Arrangieren von Informationen kann unter Umständen bereits schöpferisch sein, auch Quelltext kann als schöpferisch gelten. Das Erstellen einer alphabetischen Liste vorhandener Daten wäre jedoch zu wenig. Ein literarisch wenig anspruchvoller Blog-Artikel wäre also kreativ, ein selbstgeschriebenes Rollenspielabenteuer allemal.

Doch der Schutz unterliegt auch Einschränkungen. Geschützt wird der schöpferische Ausdruck einer Idee, nicht der Idee ansich. Das Fantasy-Rollenspielabenteuer, indem sich der Auftraggeber als der böse Nekromant entpuppt erinnert stark an den letzten Shadow-Run? Die Grundidee kann gleich sein, ohne einen Urheberrechtsverstoß darzustellen. Wurden dagegen ganze Textpassagen erkennbar übernommen und lediglich kosmetischen Korrekturen unterzogen („Mr. Johnson“ statt „Nekromant“), handelt es sich wohl um ein dreistes Plagiat. Im Zweifelsfall entscheidet sich das erst vor Gericht. Man ist dann gut beraten, in der Lage zu sein, das Vollendungsdatum seines Werkes nachzuweisen, z.B. durch eine Kopie mit Original-Entstehungsdatum auf einem einem Datenträger oder klassisch mit einer ungeöffneten, an sich selbst adressierten, entstehungsnah gestempelten Postsendung mit einer Papierfassung.

Auch gibt es gewisse Einschränkungen für Forschung, Lehre, private Nutzung, öffentliches Interesse, Meinungsfreiheit, Zitatrecht etc. Dabei spielt auch die gewerbliche Auswirkung eine Rolle. Ein illegaler Download einer Raubkopie „für den Privatgebrauch“ ist und bleibt illegal. Ein Kritiker oder Rezensent darf sehr wohl aus dem kritisierten Werk zitieren, sollte jedoch tunlichst darauf verzichten, das komplette Werk unter dem Vorwand der des Zitatrechts unerlaubt wiederzugeben.

Urheberrecht erlischt nach den meisten Gesetzgebungen 70 Jahre nach Tod des Autors, beziehungsweise 50 Jahre nach gewerblicher Nutzung von Nichtschriftwerken.

Die Nutzung des Copyright-Zeichens © ist heutzutage auch in den USA nicht erforderlich, man kann es aber ohne Nachteil symbolisch nutzen, um seinen Besitzanspruch auf ein Werk zu unterstreichen.

Näheres zum deutschen Urheberrecht: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Urheberrecht

Es folgt eine übersicht über ausgewählte weitere Arten geistigen Eigentums.

Warenmarken (Trademarks, Trade-marks)

Eingetragene Symbole und Schriftzüge zur Kennzeichnung von Unternehmen und Produkten. Sie dienen zur Kennzeichnung und Bewerbung von Produkten, die dadurch vom Kunden ganzen Produktgruppen zugeordnet oder mit einem bestimmten Unternehmen assoziiert werden können. Daran sind häufig bestimmte Erwartungen und Qualitätsansprüche geknüpft. Manche Marken sind wertvoller als sämtliche physischen Besitztümer des Markeninhabers. Besonders bekannte Marken genießen ein verstärktes Markenschutzrecht, können aber, wenn im Extremfall durch Synonymisierung mit einer generellen Produktart zu einer nicht markenrechtlich schützbaren Bezeichnung verfallen. Würden wir von „Kerker- und Drachenspielen“ sprechen statt von Fantasy-Rollenspielen, und hätte der Markeninhaber diese Tendenz geduldet, wäre die Marke „Dungeons & Dragons“ futsch – und jeder Rollenspielautor könnte seine Abenteuer ungestraft mit dieser Aufschrift versehen. Höchstens bestimmte „D&D“-Logos wären dann noch geschützt. Ein Zeitlimit für Markenschutz gibt es nicht.

Geschmacksmuster (Design Patents)

Ästhetische Schöpfungen können für den gewerblichen Gebrauch stärker geschützt werden als durch Urheberrecht. Dazu müssen sie neu, die schöpferischen Elemente über die bloße funktional/technisch erforderliche Gestaltung hinausgehen und das äußere Erscheinungsbild eines Produktes betreffen. Diese Arten von Schutz ist eintragungs- und gebührenpflichtig, Laufzeiten sind je nach Gesetzgebung auf 10 bis 25 Jahre beschränkt. Beispiel: ein zehnseitiger Würfel (bekannt), der auf bestimmte Art und Weise glitzert und in besonderem Font geprägten Zahlen (neue, ästhetische Schöpfung).

Patente und Gebrauchsmuster (Utility Patents, Utility Models)

Anmeldungs- und gebührenpflichtiger Schutz für Erfindungen auf (prinzipiell) allen technischen Gebieten. Eine Erfindung muss neu (verschieden vom Stand der Technik), erfinderisch (nicht naheliegend), gewerblich nutzbar sein. Patentanmeldungen werden offengelegt und so zum Stand der Technik. Patentschutz kann maximal für 20 Jahre erworben werden. Beispiele: Eine neuartige Spritzmaschine zum schnelleren Herstellen von zehnseitigen Würfeln; ein Verfahren, bei dem Glitzerstaub in die Würfelmasse eingeführt wird, ohne dass es zur ungleichmäßigen Gewichtung kommt; ein gentechnisch gezüchteter Eulenbär. Tiere sind patentierbar, jedoch keine herkömmlichen Zuchtmethoden oder Magie (letztere meist wegen mangelnder Offenlegung).

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Published in: on Juli 7, 2010 at 5:35 pm  Comments (4)  

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Gut, das noch einmal so zu lesen. Merci.

  2. Schöne Übersicht, danke. Nur weiter so. Interessant wäre noch, was sich für nen Blog ändert, wenn er kommerziell wird. 😉

  3. Ich schätze mal: Gewerbe anmelden, und dadurch jedes Jahr ein Steuerformular mehr.

  4. Wenn das schon alles ist, wäre das gut. Aber für kommerzielle Plattformen gelten dann doch andere Rahmenbedingungen für mancherlei Sachen.


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