Schlachten in Fantasy-Settings: Teil I – Geschichtliches

Welche Arten von Kombattanten findet man auf den Schlachtfeldern in einer Fantasy-Welt? Wie sind sie bewaffnet? Welche Kampftaktiken verwenden sie?

Dass in Conans Hyboria Armeen und Reiterhorden militärische Macht darstellen, auf der Welt Krynn des Drachenlanzen-Settings gegenüber drachenreitenden Rittern aber bedeutungslos sind, ist offensichtlich. Es gibt aber einige Faktoren mehr als nur den Parameter Low- oder High-Fantasy. Betrachten wir zunächst im groben Abriss die historische Entwicklung, in wie ich hoffe einfachen Worten:

 

Der militärgeschichtliche Einfluss von Wirtschaft und Technologie

Während das römische Reich zu seinen Glanzzeiten seine Nachbarn in geographischer Ausdehnung, Infrastruktur, Technologie und Wirtschaftsleistung übertrumpften konnte, und sich gewaltige gedrillte Heere leisten konnte, erodierten im Europa zur Zeit der Völkerwanderungen den Organisationsgrad der Königreiche, die Infrastruktur, den Warenverkehr. Armeen mussten kleiner werden, doch neue Erfindungen ermöglichten auch eine neue Art des Kämpfens: Die Kombination steifer Sättel mit Steigbügeln gab den Panzerreitern des Frankenreiches besseren Halt im berittenen Kampf mit Lanze und Schwert als den Kataphrakten der Antike. Gleichzeitig war eine schwerere Panzerung möglich (gemeint ist eine volle Kettenrüstung des Reiters, aber auch ein Schutz für das Pferd), die besonders beim Fußvolk stets zu Lasten der Beweglichkeit geht. Bei schwacher Wirtschaftsleistung und umständlichen Schmiedeverfahren ist eine volle Ritterausstattung (Rüstung, Waffen, mehrere Pferde) natürlich ein Vermögen wert. Die wenigen derartig ausgestatteten Kämpfer, über die ein Reich verfügen kann, sollten also auch möglichst gut kämpfen können, also möglichst von Kindesbeinen an trainieren. Somit ist die Teilung der Gesellschaft in einen Ritterstand und einen nicht kriegerischen Bauernstand eine logische Konsequenz. Tatsächlich war Karl der Große mit seinen effizienten Rittern militärisch äußerst erfolgreich. Dass seine Nachfahren mit ihren Frankenreichen den Bach runtergespült wurden, lag an der politisch ungünstigen Organisation des Lehenswesens. Das Prinzip Ritter blieb bestehen.

Das Konzept der strammstehenden Armee wie bei den Römern war jedoch dahin, der Ritter war ein eher undisziplinierter Einzelkämpfer, der für die persönliche Ehre (im Sinne von Ruhm) kämpft, nicht für sein Vaterland oder seinen König (s. Delbrück).

Dennoch wuchsen die Armeen wieder. Florierender Handel ermöglichte Einkünfte durch Zölle ebenso wie Plünderei. Aus wenigen Waffenknechten wurden Scharen von Söldnern und Soldaten. Dennoch blieb bis ins Hochmittelalter der Ritter derjenige, der die Schlacht entschied. Durch den Besitz der besten Ausrüstung und die beste Ausbildung im Umgang darin, war der Effizienz des Ritters nichts entgegenzusetzen.

Erst ab dem 14. Jahrhundert, durch das Wachstum der Armeen, aber auch durch technische Fortschritte (besserer Stahl durch neue Verhüttungsöfen ermöglichte einfacheres Schmieden sowie Vergüten der Erzeugnisse), welche Bewaffnung und Panzerung nach und nach hochwertiger, aber auch erschwinglicher und in größerer Mengen verfügbar machten, schwand die Bedeutung des gepanzerten Lanzenangriffs der Ritter. Neue Formationen des Fussvolks (z.B. Aufstellungen von Langbogenschützen, geschützt durch Spießträger, moralisch gestärkt durch abgesessene Ritter; Fußvolk mit Spießen und Stangenwaffen, später als schweizer Erfolgsserie der dreifachen Gewalthaufen) wurden erprobt und sorgten für den ein oder anderen überraschenden Sieg.

Feuerwaffen tauchten zwar ebenfalls im 14. Jahrhunderten in Europa auf, waren aber noch zu teuer und unzuverlässig, um in einer Feldschlacht ins Gewicht zu fallen.

Noch ein kleiner Exkurs nach Japan: Fortschritte im Verhüttungswesen blieben aus und Schwerter schmiedete man noch im 19. Jahrhundert aus minderwertigem Stahl. Die Mystifizierung des Samurai-Schwertes ist allein dem hohen Aufwand der Herstellung geschuldet. Die Bedrohung des Samurai-Standes durch die fortschreitende Entwicklung von Schusswaffen löste man politisch durch Einschränkung derselben und leistete sich noch mehrere Jahrhunderte einen teuren Kriegerstand.

 

Es folgen:

Teil II: Die Modellierung von Low-Fantasy-Schlachten

Teil III: Die Modellierung von High-Fantasy-Schlachten

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Published in: on Februar 27, 2012 at 8:17 pm  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Anmerkung: Ich bin kein Historiker: Wer meint mich korrigieren oder ergänzen zu müssen, tue dies!

  2. Tolle Aufstellung. Danke für die Übersicht!


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