Terraforming Mars [Brettspiel]

Auf der Erde wird es eng und ein neuer Planet muss her. Die Erdregierung ködert mit einem üppigen Subventionierungsprogramm Konzerne, die den Mars terraformieren sollen. Dabei gilt es, gemeinsam, aber im Wettbewerb drei globale Parameter so weit zu erhöhen, dass der rote Planet halbwegs komfortabel bewohnbar wird: Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre muss von null auf 0,14 atm Partialdruck erhöht werden (im Spiel ausgedrückt als 14% der Standardatmosphäre), was irdischen Bedingungen auf 3000m über dem Meeresspiegel entspricht, die Durchschnittstemperatur in Äquatornähe muss von -30°C auf +8°C erhöht werden und, um ein sinnvolles Klima zu ermöglichen, muss die Oberfläche des Planeten zu 9% mit Wasser bedeckt sein. Diese kolossale Aufgabe wird viele Generationen der Menschheit in Anspruch nehmen.

Siegpunkte

Am Ende des Spiels, also wenn alle drei globalen Parameter ihren Zielwert erreicht haben, hat dann der Konzern (Spieler) mit den meisten Siegpunkten gewonnen, die sich aus seinem Beitrag zur Terraformierung (Terraforming Rating) und weiteren geleisteten Maßnahmen zum Lebenskomfort, Infrastruktur, Begrünung, Besiedlung und dem Beitrag zum Ökosystem ergeben. Aber egal wer gewinnt, jeder Mitspieler kann stolz darauf sein, einen gewaltigen Beitrag zur Besiedlung des Mars geleistet zu haben.

Ausstattung

Das Spielbrett ist ansprechend und übersichtlich gestaltet: Sie zeigt eine Seite des Planeten, in Hexagonfelder aufgeteilt, mit den Landschaftsmerkmalen und ihren Namen. Im Lauf des Spiels wird sich die Karte mehr oder weniger füllen – mit Ozeanen, Städten, Grünflächen, Sonderzonen. Weiterhin sind auf dem Spielbrett Leisten für die drei wichtigen globalen Parameter und Übersichten über Standardprojekte, Meilensteine und Prämien abgebildet.

Jeder Spieler verwaltet auf seiner Konzerntafel und Produktion und Vorräte der Ressourcen MegaCredits (Geld), Stahl (für Gebäude), Titan (für Raumfahrt), Pflanzen (zum Begrünen und Sauerstoff erzeugen), Energie (für diverse Projekte oder zur Wärmeerzeugung), Wärme (zum Erhöhen der Temperatur).

Den Kern des Spiels macht aber der gewaltige Stapel an Projektkarten aus (man kann ihn kaum mischen, so viele sind es), über welche die meisten Aktionen des Spiels durchgeführt werden, und jede von ihnen ist originell, gut durchdacht und einmalig im Spiel vorhanden. Ja, alle Karten sind unterschiedlich! Man kann Asteroiden (und sogar einen Mond) auf die Oberfläche knallen, Ressourcen von der Erde oder aus dem Jupitersystem importieren, Städte bauen, Wasser pumpen, Titanoxid spalten, diverse Technologien entwickeln, Bakterien, Pflanzen, Tiere züchten, das Subventionierungskomitee bestechen, usw. usf. Viele Projektkarten sind jedoch mit Spielbedingungen versehen, etwa einem Minimum oder Maximum an Sauerstoff, Temperatur oder Wasser auf dem Mars. Man muss also erstmal Bakterien und Flechten züchten, bevor man Würmer, Ameisen oder gar siegpunktewerte Fische, Vögel und Säugetiere ansiedelt.

Natürlich bedeutet so ein gewaltiger Stapel unterschiedlicher Karten einen hohen Zufallsfaktor im Spiel – man hat keinen Einfluss darauf, welche Projektkarten man in der Forschungsphase zieht (immer 4), von diesen akquiriert man dann seine  Projekte als Handkarten. Bei anderen Spielen bedeutet ein hoher Zufallseinfluss mehr Kurzweil, weniger seriöse Planung, bei Terraforming Mars wird der Anspruch des Spiels dadurch jedoch nicht untergraben. Jedes Spiel läuft anders, aus den gezogenen Karten muss jedes Spiel eine neue Strategie erstellt werden. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, es macht einfach süchtig.

Immersion

Es lohnt sich außerdem, sich mit den Mitspielern auszutauschen, wie die gerade gespielten Projektkarten heißen, bzw. was der Hintergrund ist, denn sie sind sehr anschaulich bebildert und mit erklärendem (manchmal lustigem) Flavortext versehen, so dass auch Spieler mit durchschnittlichem technischen oder wissenschaftlichen Wissen, so sie denn wollen, vermittelt bekommen, was eigentlich gerade in der Spielwelt vor sich geht. Der Autor hat sich wirklich eine breite Palette an Projekten ausgedacht, die auch noch wissenschaftlich/technisch plausibel erscheinen. Anders ausgedrückt: dieses Brettspiel ist wahnsinnig immersiv! Betrachtet man am Ende des Spiels die Marskarte und die ausliegenden Projektkarten der Spieler, so sieht man an den Kartensymbolen auch den Aktivitätsbereich der Konzerne – manche waren offenbar auch intensiv auf der Erde oder um Ganymed/Jupiter tätig. Es fühlt sich dann an, als hätte man gerade nicht Brettspiel, sondern die Geschichte von der Besiedlung des Mars gespielt, und als sei die Marskarte Teil von etwas weitaus größerem, das sich unserem Sonnsystem abgespielt hat.

Fazit

Terraforming Mars vereint die Vorteile kompetitiver und kooperativer Brettspiele. Die Interaktion zwischen den Spielern ist gering, aber vorhanden, das Spielziel wird immer erreicht, jeder Teilnehmer geht mit einem positiven Gefühl nach Hause, möchte es aber beim nächsten mal besser machen. Am liebsten sofort.

Diese Rezension wurde nicht als Gefälligkeitsarbeit geschrieben. Ich pflege keinerlei finanzielle Beziehung oder Verbandelung mit Verlag oder Autor des Spiels. Insbesondere nehme ich keine „Rezensionsexemplare“ an.

Advertisements
Published in: on April 17, 2017 at 6:05 pm  Schreibe einen Kommentar  
Tags: , , , , ,

The URI to TrackBack this entry is: https://ghoultunnel.wordpress.com/2017/04/17/terraforming-mars-brettspiel/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: