Von der Charaktererschaffung und der Gefahr des Einschlafens auf dem Donnerbalken

Zwei Blogger wollen einen „Beitrag dazu leisten, dem Rollenspieldiskurs in Deutschland neuen Schwung zu verleihen“ und geben Rollenspieltipps. Die Einladung zum Diskurs sei hiermit angenommen. Aber bitte seid dabei nicht so langweilig wie Maximilian der Söldner, an dem Euch zufolge spannend ist, dass er eine Haarfarbe hat, Kleidung trägt und gerne Schnitzel isst. Anscheinend soll man das dann auch noch als Schlagwörter verwalten, aber bitte nicht auf dem Charakterbogen?! Solche Rollenspieltipps sind nicht nur langweilig, sondern auch furchtbar verkopft.

Völlig korrekt ist die Erkenntnis aus dem Donnerbalkenhaus, dass ein Charakter auch mäßig interessant sein darf, und dass viele Details noch während der ersten Spielsitzungen definiert werden dürfen. Und „spannend“ brauchen die Charaktere gar nicht erst sein, Spannung sollen die Abenteuer bringen.

Wenn man aber interessante Personnagen haben will, was kann man als Spieler tun? Was kann man als Spielleiter tun, um die Spieler zu unterstützen?

Als Spieler: Details des Aussehens, der Ausrüstung oder der Persönlichkeit des Charakters festlegen, die nicht das Klischee vertiefen (Schnurrbart, Federn am Hut, fremdländischen Akzent ausspielen), sondern die das Klischee durchkreuzen oder ungewöhnlich uminterpretieren.

Beispiele:

  • [Ausrüstung] Der Halbling-Dieb, der zur Gruppe im Mega-Dungeon teleportiert wird, hat ein lebendes Schwein am Strick dabei („Ich bin gar kein Abenteurer, ich will nur die Sau vom Eber meines Onkels besamen lassen“). Das ist natürlich nur originell, wo Bauerngaming absolut unüblich ist, und sich alle Beteiligten fragen, wie lange die Sau und ihr Besitzer wohl überleben werden.
  • [Aussehen] Der Chaosmagier ist nicht nur ein Bastardmensch, er ist auch Hermaphrodit! Wenn Mitspieler das erst spät mitbekommen, kann sie das regelrecht verstören, habe ich festgestellt (das war bevor man bei WotC „Genderfluidity“ entdeckte).
  • [Persönlichkeit] Die Personnage eines Mitspielers nannte sich „Adonis der Mutant“, war künstlich erschaffen und hielt sich für perfekt. Unterhaltsamerweise ging Adonis konsequent davon aus, dass ihn jeder andere auch für perfekt halten musste.

Wie bereits erwähnt, muss ein Rollenspielcharakter nicht zwingend originell sein. Vor allem sollte man seinen Mitspielern nicht auf die Nerven gehen. Es genügt durchaus, festzulegen, dass der Kämpfer ein Söldner und der Dieb ein gildenloser Herumtreiber ist. In vielen Regelsystemen und Kampagnenwelten bekommt man sowieso schon recht spezifische Charakterkonzepte (etwa bei DSA: klischeehafte Charakterklassen; bei Al-Qadim: character kits) übergebügelt. Etwas mehr Details dürfen aber schon sein, wenn man eine Charakterklasse mit ungewöhnlichen Fähigkeiten wie Magie gewählt hat.

 

Wie kann der Spielleiter Charaktertiefe unterstützen?

Der SL kann eine Liste mit Charakterkonzepten anbieten, wenn es das Setting nicht sowieso anbietet.

Priester-Personnagen

Welche Tempel, religiöse Oberhäupter und Mystiker mit kirchendoktrinfeindlichen Erkenntnissen gibt es? Wie häufig mischen sich die Götter ein, wie oft senden sie ihren Priestern Visionen? Was muss ein klerikaler Spielercharakter tun, um Unterstützung durch die Tempelhierarchie zu erhalten? Der Hintergrund des Settings kann dem Spieler genug Anhaltspunkte bieten, um mehr als nur einen „Kleriker“ zu spielen.

Magiekundige Personnagen

Werden Magier auf Akademien ausgebildet oder bei speziellen Lehrmeistern? Wie ist das Verhältnis der Spielerpersonnage zum ehemaligen Lehrmeister? Wird derjenige seinen Zögling erneut empfangen? Vielleicht hat der Lehrling ja einen magischen Gegenstand seines Lehrmeisters entwendet, als er sich auf ins erste Abenteuer machte.

Ich nehme mir hiermit persönlich vor, in meiner nächsten halbwegs vanillamäßigen Fantasy-Kampagne einige mögliche Lehrmeister auszuarbeiten, die im Setting Rang und Namen haben. Zusätzlich werden Magiercharaktere die Wahl haben, ob sie das Spiel mit einem gestohlenen magischen Gegenstand beginnen möchten.

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Published in: on März 22, 2018 at 8:20 pm  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Wenn Ihr so viele Schlagworte aufschreiben muesst, dass auf dem Personnagenbogen kein Platz mehr ist, dann koennt Ihr auch noch ein Charakterdossier von den Donnermaennern ausdrucken. Achtung, bloss nicht falschrum falten!
    https://www.donnerhaus.eu/2018/03/charakterdossier-zum-herunterladen/
    Ansonsten: Weiter Notizen auf dem Charaktrerbogen machen, wie gewohnt. 😀

  2. hmm.. die Idee mit den Magiern ist super, muß ich auch machen


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