T.I.M.E Stories – Rezension, Teil 1

T.I.M.E Stories will ein Hybrid aus Brett- und Rollenspiel sein, für Spieler, die keine Zeit mehr für lange Kampagnen und Mega-Dungeon-Crawls haben, die jedoch die Intensität „von damals“ noch einmal verspüren wollen. Dies ist den Designern gelungen!

In T.I.M.E Stories schlüpfen die Spieler in die Rollen der T.I.M.E Agents, deren Geist im Auftrag der Agency durch Raum und Zeit in andere Epochen, in dort heimische Wirtskörper, projiziert werden, um dort Missionen auszuführen, die für den Erhalt der für die Menschheit bedeutsamen Haupt-Zeitlinie von Bedeutung sind. Dieser Transfer ist jedoch so energieaufwendig und teuer, dass den Agenten nur eine begrenzte Menge Zeiteinheiten zur Verfügung steht, um eine Mission zu lösen. Wie im echten Leben sind die Manager so abgehoben, dass sie den Mitarbeitern unrealistische Zielvorgaben stecken – die Agenten werden also mehrere Durchläufe benötigen, um die Umgebung zu erkunden und die Mission zur Zufriedenheit ihres Vorgesetzten zu bewältigen.

Die Spielmechanismen sind simpel – schwierig sind die Missionen. Nach dem Transfer wählen die Spieler ihre Wirtskörper („Charakterbögen“) für den Durchlauf. Gleichzeitig ist man als Spieler aber von Durchlauf zu Durchlauf sowie von Mission zu Mission stets der gleiche Agent (ein „Charakter“ ohne Charakterbogen), was im Lauf der weißen Reihe („Kampagne“) noch von Bedeutung sein wird. In der Mission kann die Gruppe geschlossen verschiedene Orte aufsuchen – der Ort wird als effektvoll illustrierte Szenerie aus mehreren Spielkarten ausgelegt und der zugehörige Szenetext vorgelesen. Dann suchen die Spieler aus, welchen Teil dieser Szenerie ihr Agent/Wirtskörper erkunden soll und bewegen ihre Spielfigur zu der entsprechenden Karte. Nur Spieler mit der Figur an einer Karte dürfen diese erkunden und die Rückseite der Karte lesen! Hier kommt die rollenspielerische Komponente ins Brettspiel: Die Agenten sind telepathisch miteinander vernetzt, deshalb dürfen die Spieler miteinander (in Agentenrolle) über ihre Karten sprechen. Ein direktes Ablesen ist nicht erlaubt. Will ein Spieler also auch die Rückseite einer Karte eines Mitspielers erkunden, muss er seinen Spielstein erst dorthin bewegen. Bewegungen kosten die Gruppe allerdings Zeiteinheiten, ebenso wie Kampfrunden und sonstige gewürfelten Proben. Und Zeit ist eine begrenzte Ressource!

Es gilt also, in den ersten Durchläufen möglichst viel zu erkunden und Informationen zu sammeln, um dann den optimalen Weg gehen zu können, der die Mission knackt. Die Agenten haben die Erinnerungen an die vorherigen Missionen, können aber (für gewöhnlich) keine Aufzeichnungen durch den Zeittransfer mitnehmen. Also keine Notizen, keine Handy-Fotos! Die Missionen sind komplex, voller Gegenstände, Sackgassen, geheimer Hintergrundinformationen.

Im Laufe der Missionen entfaltet sich eine weitere Ebene der Komplexität – dieses Brettspiel hat einen Metaplot, es gibt geheime dauerhafte Gegenstände und Effekte, und die Spieler werden als Gruppe schwierige Entscheidungen treffen müssen, die ihre Treue zur Agency auf die Probe stellen werden!

Der Preis der T.I.M.E-Stories-Boxen mag hoch erscheinen, da sowohl die Basisbox als auch die Erweiterungen nur jeweils eine Mission enthalten. Dies relativiert sich jedoch, wenn man bedenkt, dass eine Mission mehrere Durchläufe benötigt, so dass meist zwei lange Spielabende anfallen, mit einem intensiven immersiven Spielerlebnis für 3-4 Personen. Verglichen mit einem Kinobesuch zu viert ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei T.I.M.E Stories besser!

T.I.M.E Stories ist für 3-4 Spieler mit Sinn für anspruchsvolles kooperatives Spiel und einer gewissen Frustrationstoleranz unbedingt zu empfehlen.

Nicht geeignet ist T.I.M.E Stories als 2-Personen-Spiel, da die rollenspielerische Komponente verloren geht, wenn zwei Spieler vier Figuren steuern (dafür ist das Spiel zu teuer). Man muss eine gelöste Mission ja für 5-10 Jahre in den Schrank stellen, damit man die Einzelheiten vergisst, bevor man sie wieder spielen kann. Zu zweit spielt man besser Legenden von Andor oder das Arkham Horror Kartenspiel.

In Teil 2 der Rezension werde ich die einzelnen Missionen der „weißen Reihe“ bewerten. Wer gerne Rezensionsvideos sieht, dem sei diese ans Herz gelegt (englisch):

 

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Published in: on Juli 28, 2019 at 9:33 am  Schreibe einen Kommentar  
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