Black Lives Matter und Rollenspiel

Mike Pondsmith, Autor von Cyberpunk 2020, schreibt über seine Erfahrungen als Afro-Amerikaner mit der Polizei (Link). Zusammenfassung: Pondsmith schrieb Cyberpunk 2020 eigentlich als dystopische Warnung, soweit sie Polizeigewalt und Amtsmissbrauch betrifft, ist sie jedoch bittere Realität.

Mehr über Pondsmith, Cyberpunk 2020 und seine anderen Werke sowie BLM erfahrt ihr im Zock-Bock-Radio (Link Episode 2).

Festhalten will ich, dass die Wut und die Frustration der BLM-Bewegung ernstzunehmen sind. Wie können wir in unserem Hobby darauf reagieren? Ein schwarzes Bild zu posten ist leicht, bedeutet aber nicht unbedingt viel.

Hin und wieder versuche ich, einen Querverweis als Realitäts-Bezug in meine Spielrunden zu schmuggeln. Nicht zu subtil, aber auch nicht mit dem pädagogischen Zaunpfahl, und ganz sicher nicht ironisch-witzig. Die Spieler sind erwachsen und können dann selber entscheiden, ob und wie sie über das Thema nachdenken, ich liefere nur einen Anstoß. So werde ich auch in meiner angehenden Pavillon-Noir-Kampagne, die während der Revolutions- und Befreiungskriege spielt, den Satz „Black lives matter“ einem NSC in den Mund legen. Viel ist das vielleicht nicht, aber ich muss meinen Spielern ja nicht erklären, dass Rassisten böse und Antirassisten „gut“ sind.

Der Satz „Black lives matter“ passt sogar ausgezeichnet in meine Kampagne, in denen die Spielerpersonnagen der Royal Navy angehören! [Spoilergefahr für potenzielle Mitspieler] Der Politiker William Wilberforce (Porträt s.o.) führt eine Kampagne zur Abschaffung der Sklaverei. Von 1789 bis 1807 legt er dem Parlament beinahe jährlich einen Gesetzesentwurf zur Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels vor, bis dieser endlich Erfolg hat. Auf einer High-Society-Veranstaltung wird er eine Spielerpersonnage bitten, seiner Kampagne beizutreten und eine Petition zu unterschreiben. Ist die Personnage Offizier, wird Wilberforce darum bitten, weitere prominente Unterstützer für seine Kampagne zu sammeln. Hilfreich wäre (zwischen 1797 und 1805) die Unterstützung des vielfachen Kriegshelden Lord Nelson (Porträt s.u.)!

Wird dieser jedoch darauf angesprochen, dürfte er seine englische Contenance verlieren. Für Nelson, der für England sein Auge, dann seinen Arm opferte (und später sein Leben), ist Wilberforce ein verachtenswerter und gefährlicher Quertreiber, finanziert der Staat die Royal Navy doch durch die Besteuerung des Zuckerimports aus den karibischen Plantagen, welche wiederum auf den Nachschub an Sklaven aus Afrika angewiesen sind, um profitabel zu bleiben (so auch die Argumentation der mörderischen Plantagenbesitzer, die ihre Sklaven zu Tode schinden). Auch sieht er den kriegsentscheidenden Vorsprung Englands gefährdet, was die große Verfügbarkeit erfahrener Matrosen angeht, wenn der Dreieckshandel fortbrechen sollte. Gott gnade England, wenn die Revolution den Kanal überquert, und der SL gnade unbedarften, aber politisch korrekten Spielern vor Nelsons Zorn!

Aus diesem Grund sind Nelson-Statuen übrigens bei den britischen BLM-Aktivisten nicht sonderlich populär.

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