Das Geheimnis des Stahls

Auf Cimorra habe ich neulich ein paar köstlich amüsante Werbe-Filmchen für Schwerter gefunden. Irgendwelche amerikanischen Hinterwäldler verkaufen Waffen – Dolche, Schwerter, Kriegshammer etc. Und deren Qualität wird nach Porno-Manier präsentiert, und zwar, in dem besagte Hinterwäldler mit besagten Waffen vor „anregend“ dekoriertem Hintergrund – Dojo, Zen-Garten – auf allerlei Dinge einhauen – Stricke, Bambus, Plastikflaschen, Topfhelme, Schweinefleisch, Motorhauben, Rinderköpfe. Immer auf die gleichen Dinge, aber mit anderen Waffen. Besonders geschmacklos, quasi pornös, wird es, wenn sie mit Schweinefleisch gefüllte Stiefel zerhacken oder mit T-shirts behangenes Fleisch.

„Zerhacken“ ist in der Tat das rechte Wort, denn Schnittbewegungen sieht man kaum. Statt „hack n slash“ demonstrieren diese Leute „hack n hack“. Wie man eine Klingenwaffe führt, weiß offenbar keiner dieser Waffenpornodarsteller. Als Holzfäller oder Schlachter machen sie sich sicher gut, die meisten haben auch dazu die Statur. Bis auf den kleinen dicken Mann mit Schnauzbart und Krawatte. Offenbar handelt es sich um den Chef-Verkäufer, denn er klopft die Werbesprüche:  „Dieses Schwert wird dich bei deinem Training begleiten. Wenn du Stufe um Stufe besser wirst, wird dieses Schwert stets mithalten können.“ Sagt einer, der offensichtlich noch nie eine Stunde Schwertkampftraining genossen hat. „Ja, dieser Zweihänder ist groß und lang, aber er ist kein bisschen unhandlich.“ Sagt er, nachdem er das Schwert völlig falsch haltend für seine Hackübungen benutzt hat.

Diese Leute tun Dinge mit Waffen, die niemand tun würde, der seine Klinge zu schätzen weiß. Aber sie kommen sich mächtig cool dabei vor. Sie taumeln nach jedem Schlag hilflos umher, so dass sie in keiner Schlacht länger als 5 Sekunden zu leben hätten. Aber für manche Hackübungen setzen sie Plastikschutzbrillen auf, wie man sie für spanende Arbeiten in der Industrie verwendet. Na immerhin…

Ich möchte an dieser Stelle Thulsa Doom zitieren, und der spottenden Worte genug damit sein lasssen: „Was ist die Klinge im Vergleich zu der Hand, die sie führt?“

Wer Schwerter mag, sollte sich die folgenden Videos lieber nicht anschauen:

Two-handed great sword

Warrior katana

Chinese war sword

Viking sword

und viele mehr…

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Published in: on April 3, 2011 at 1:58 pm  Comments (10)  

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10 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich lach mich tot, was für Oberaffen das sind! „Pornös“ trifft es ganz gut!

  2. Die vollkommen fehlende Distanz zum eigenen Tun, die Ironiefreiheit eines dicklichen 45jährigen Bürohengstes mit einem Zweihänder finde ich inspirierend. Das ganze drückt eine typisch amerikanische „Ich find das gut, und was ihr meint ist mir egal“-Haltung aus, wie ich sie z.B. auch bei Palladium-Rollenspielen schätze.

    Ich will so ein Schwert und damit auf Schweinehälften einhacken. Mir doch egal, wie man das richtig macht. Das Schwein ist tot! Und das Ergebnis ist doch, was zählt!

    Guter Fund, Ghoul!

  3. Ich hab Respekt vor den Jungs. Mit ihren „pornösen“ Werbevideos haben sie sich als Hersteller von qualitativ durchaus hochwertigen Waffen am Markt etabliert, und zumindest der kleine Dicke mit dem Schnauzer soll tatsächlich ein ziemlich guter Degenfechter (gewesen) sein. Dass man bei einem Schnitt- bzw. Hacktest für ein Werbevideo sich anders bewegt als im Kampf sollte klar sein. Mein Lieblingsvideo ist übrigens das mit der Schaufel, wo alles mögliche gezeigt wird, was man mit dem Ding machen kann, nur nicht, wie man damit gräbt. 😉

  4. Wer ein Schwert von Cold Steel besitzt, muss sich ja in Grund und Boden schämen, nachdem er einen dieser Filme gesehen hat. Möglicherweise gibt es bei Cold Steel Leute, die etwas vom Eisen-Kohlenstoff-Diagramm verstehen und vom Umformen von Stahl, aber die Werbefutzies verstehen definitiv nichts von Schwertkampf. Ob Mister Mustachio genauso gut Fechten kann wie Holzhacken?

  5. Es mag nicht alles perfekte Schwertkunst sein, die dort gezeigt wird. Aber es geht ja auch um die Qualität der Ware. Und die wird überzeugend dargestellt. Wenn sich der Marketingchef dabei zum Ömmel macht ist das doch seine Sache, nicht?
    Coldsteel hat schon recht brauchbares an Material im Angebot. Und wenn ich mir den Typ anschaue, der in dem Zweihänder Video ab 1:24 auf den Schweinekopf einschlägt, dann sehe ICH da einen ganz vernünftig ausgeführten Hau.

    Der Witz an diesen Schnittübungen ist, daß sie definitiv deutlich schief gehen, wenn es an Präzision oder der richtigen Körperdynamik mangelt. Ich selber mache mein wöchentliches Trainig und lese immer wieder in den Quellen und ich wäre mir nicht sicher, ob ich so saubere Hiebe hinbekomen würde. Wer erheblich intensiver trainiert möge gerne solch überhebliche Tiraden schreiben und dann nehm ich die vielleicht sogar ernst.

  6. @Peter & Captain: Ok, schon zwei Befürworter. Besitzt Ihr denn selber Waffen von Cold Steel?
    Wo rangieren die denn qualitativ? Mittelfeld? Gehobener Bereich? Was sind Eure Qualitätskriterien?
    Das frage ich jetzt nicht zum drüber lustig machen, sondern aus sachlicher Neugier.

  7. Zur Durchführung der Schläge: Wenn wir jetzt über alle Schwert-Pornos von Cold Steel die Hiebe zählen und in die Kategorien „tölpelhaft“ und „fachmännisch“ aufteilen, gewinnt aber der Tölpel 10:1. Besonders katastrophal ist es bei den Klingen im asiatischen Stil, die ja traditionell reine Schnittwaffen sind und keine Hackwerkzeuge. Mit ihren Kampfschaufeln können sie meinetwegen machen, was sie wollen, das interessiert mich nicht.

  8. Ich selber habe kein Coldsteel Schwert. Aber bei meinen Trainingspartnern im Verein gibts welche.
    Qualitativ würde ich die in die Mittelklasse einordnen. Definitiv besser als so mach Stanzblech, das als Schaukampfwaffe verkauft wird, aber da gibts durchaus noch bessere (und teurere).
    Meine eigenen Kriterien sind Härte des Stahls (sollte so ca 50 HRC haben) weil man sonst der Scharten nicht Herr wird. Weiterhin das Gesamtgewicht und der Gleichgewichtspunkt (besseres Handling). Und dann muß mir auch die Optik gefallen.

    Die Hiebtechniken sagen auf den Videos wenig aus. Denn dafür sind diese Videos nicht gemacht. Da gibts ganz andere (1, 2, 3, 4).
    Und auch der „asiatische Stil“ ist nichts einheitliches. Beim Kendo ist man recht schneidlastig dabei, aber auch da gibts Ausnahmen. Wenn man aus Japan rausgeht wirds nochmal deutlich anders. Da erlaub ich mir mangels Expertise definitiv kein Urteil.

    • Danke für die technischen Ausführungen. Stellen die sowohl Schaukampf-Waffen als auch „echte“ Schwerter her? Ich nehme an, dass es nicht sinnvoll wäre, für beide Zwecke einheitlich zu fertigen, die Beschaffenheit einer Schaukampf-Klinge ist je mehr als nur ein wenig stumpf geformt?

      Zur Hieb-„Technik“ von Cold Steel: Egal, ob man eine eher hackende Klinge wie Zweihänder und Wikinger-Schwert demonstriert oder eine Schittklinge wie ein Katana: Wenn man durch die Gegend taumelt wie Mister Mustachio, ist es einfach nur peinlich. Sich nach dem Schlag nach vorne beugen sollte man sich nur beim Holzhacken im Wald leisten (Bäume schlagen eher selten zurück), mit einem Schwert in der Hand bewegt man sich anders. Mich überzeugt diese Art der Qualitätsvorführung nicht.

      • Coldsteel macht vor allem scharfe Klingen.
        Der Unterschied zwischen Schaukampfwaffen und Scharfen ist nominal in erster Linie die Schneide. Schaukampfwaffen sind stumpf und sollten statt der Schneide eine mindestens 2,5-3mm breite Kante haben.
        Im Prinzip gibts sonst keine baulichen Unterschiede. Es gibt einige Hersteller, die die breite Kante gewichtsmäßig auszugleichen versuchen. Und es gibt andere, die ein und dasselbe Produkt in geschärfter und in Schaukampfausführung verkaufen.


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