Schlachten in Fantasy-Settings: Teil III – High Fantasy

Nun zu Schlachten in High-Fantasy-Welten: Weitaus mehr als gewöhnliche Technologie, Wirtschaft, aber auch als Politik beeinflusst hier Magie die Kriegsführung. Gleichzeitig ist zu bedenken, wie sich dies spieltechnisch auf einen normalen Bewohner auswirkt.

Von Ur- bis AD&D bspw. ist ein gewöhnlicher Bauer, Bürger oder Soldat als 0.-Stüfler mit 1-6 Trefferpunkten gesegnet. Da können sich in einer High-Fantasy-Welt gar keine dichten Kampfformationen für das Schlachtfeld entwickeln, wenn immer haufenweise Magier, Priester oder Drachen zugegen sind, um flächendeckend für Tod und Vernichtung zu sorgen. Schickt man sie also überhaupt in die Schlacht, dann als möglichst weit verteiltes Kanonenfutter, welches ab dem ersten Feindkontakt das Weite sucht oder sich im Erdboden einbuddelt. Also schickt man sie doch erst überhaupt nicht los und überlässt wahren Helden das Feld. Konsequenterweise wird ja bei D&D3+ davon ausgegangen, das NSCs fast immer NSC-Stufen haben. Damit werden zwar wieder Armeen möglich, aber sicher nicht als enge Formation. Leider herrscht in vielen Kampagnen seitdem Verwirrung um die Bedeutung von Stufen, und ein Mord per Dolch lässt sich spieltechnisch höchstens durch Weltmeisterassassinen durchführen.

Aber ich schweife ab: Der Kampf in High-Fantasy-Welten kann nicht von disziplinierten Massenarmeen geführt werden, sie haben keinen Vorteil, nur Nachteile. Ein Schlacht muss sehr dynamisch durch kleine effiziente Trupps (analog zur historischen und Low-Fantasy-Kriegerelite) geführt werden: Abenteurergruppen, Magier mit Beschützerwesen, Priester mit Leibgardisten, Drachenreiter, göttliche Avatare. Da wird wild herumteleportiert, Existenzebenen gewechselt, mit Feuer-, Kälte-, Energie- und Antimagieeffekte geworfen, Entitäten beschworen, in die Zukunft gespäht und an Zeitsträngen manipuliert.

Kommt es denn dabei überhaupt zu einer räumlich und zeitlich konzentrierten Schlacht? Ja, wenn es der Spielleiter will. Na gut, schöner begründet: Ja, wegen der Redundanz selbsterfüllender Prophezeiungen! Wenn beide Parteien Erkenntnismagie nutzen, um den Überraschungsangriff des Gegners vorauszusehen, und daraufhin selber einen überraschenden Präventivschlag planen, den wiederum der Gegner von seinen Göttern offenbart bekommt, usw., dann pendeln sich Zeit und Ort einer Serie gegenseitiger Angriffe metaphysisch ein, und es kommt tatsächlich um einen Zeitpunkt an bestimmten Tag und hauptsächlich in einer geringen Anzahl bestimmter Orte zu einer Serie von Kampfhandlungen, dem Äquivalent einer Schlacht im High-Fantasy-Setting.

Modelliert wird dies am besten entweder durch eine spezifische ausgearbeitete Mission oder aber durch eine völlig chaotische Tabelle (ich verweise erneut auf die von Zak Smith in den Tiefen des Pendragon RPG entdeckte Schlachtbegegnungstabelle) mit Gegnern und kleinen Einheiten, wo man sich von oben nach unten durchmetzelt. Zwischen den Begegnungen finden nach Belieben Teleportationen oder Ebenenwechsel statt, da darf sich der Spielleiter ruhig erzählerisch austoben. Etwa so kann eine kampagnenspezifische Begegnungstabelle dann aussehen, auf der die Spielergruppe als Einheit mit 1W4 vom aktuellem zum nächsten Gegner abwärts voranschreitet:

– schwarzer Drache (Altersstufe 1W6+4) mit Reiter (Kämpfer Stufe 10+1W10)

– roter Drache (Altersstufe 1W6+6), unberitten

– 1W4 Flughydren

– gegnerische Heldengruppe

– Wolkenriesenfestung

– der unsterbliche Kane

– 2W6 blaue Slaadi

– gegnerische Heldengruppe

– Marilith

– 1W3 Gedankenfresser (ätherisch)

– ein Spelljammerschiff (Gith-Piraten)

– gegnerische Heldengruppe

– Astraldeva

– Odins Avatar mit 2W4 Walküren

Bei Erreichen des Listenendes ist die Schlacht gelaufen. Das ganze kann man noch garnieren, in dem bestimmte in der Kampagne wichtigen Orte während der Schlacht abgeklappert werden müssen, um gezielt wichtige NSCs zu jagen, Altäre zu entweihen oder Artefakte zu erobern.

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Published in: on März 1, 2012 at 2:19 pm  Comments (5)  

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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich überlege, ob Drachen nicht Kampfbomber-Äquivalente darstellen, oder Kampfmagier einen Grav-Panzer oder Kampfhubschrauber. Da verhält es sich mit dichten Formationen ja ähnlich.

    Ansonsten sehr inspirierend, danke.

  2. Oder Kampfbomber als Grav-Panzer und Drachen als Kampfmagier … Du siehst den Punkt, ja?

    -.-

    Schieben wir’s auf den Rest von gestern.

  3. Durchaus. Den Gedanken hatte ich ebenfalls. 🙂

  4. Interessanter Artikel! Bei uns kommt es gerade auch zum Kampagnenende hin zu einer Entscheidungsschlacht (D&D 3.5, Realms, Charaktere der Stufe 13 bis 15).

    Der Grund für die stattfindende große Schlacht ist ein Ritual, das die eine Seite (Spieler) durchführen und die andere Seite (NSC, die Shadovars, um genau zu sein) verhindern will.

    Durch eine solche Konstruktion ist es auch innerhalb der High-Fantasy-Spielweltlogik und in einem ergebnisoffenen Kontext erklärbar, dass eine große Schlacht stattfindet – es muss einen Grund geben, in der Regel einen bestimmten O r t, der dafür sorgt, dass beide Seiten ihre Gruppen konzentrieren.

  5. Es kommen allerdings, dass noch hinzugefügt, auf beiden Seiten vor allem Einheiten zum Einsatz, die eine gewisse Kompetenz besitzen, von Rittern über Greifenreiter, Magier, Externare, etc.pp. Kanonenfutter gibt es auch – aber nicht zuletzt aus dramaturgischen Gründen ;).


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