Worte eines Ghouls wider das Schummel-Erzählspiel

Spielleiter, die Würfelergebnisse nach der Rule of Cool ignorieren, Regelwerke, die lehren, eine gute Geschichte sei wichtiger als ein unglückliches Würfelergebnis, obskurantistische Blogger, die zweifelhafte Rechtfertigungen für Schummel-Erzählspiel – SchErz – schreiben, verbreiten eine schädliche Ideologie. Man darf ihre Argumente nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen. Dies sind die Gründe, warum Schummel-Erzählspiel so verwerflich ist:

Schummeln ist unsittlich

Beim Rollenspielen sitzen wir mit unseren Freunden am Spieltisch. Schummeln ist betrügen, und seine Freunde betrügt man nicht, egal ob Spieler oder Spielleiter. Es gehört sich einfach nicht!

SchErz ist kein erhabenes Meister-Privileg, sondern eine vulgäre Unsitte.

Schummeln ist schlecht für das Spiel

Immer wieder heißt es, Schummeln sei eben eine Spielleiter-Techniken, ebenbürtig mit anderen Techniken oder Spielstilen.  Nun ist es aber so:

Dreht der SL den Würfel „im Sinne der Spieler“, für eine „bessere“ Geschichte, entmündigt er sie, da er ihnen die Möglichkeit, drastisch zu scheitern vorenthält, als seien sie kleine Kinder.

Dreht der SL den Würfel „zum Schaden der Spieler“, um die Schwierigkeit im Sinne des Dramas zu erhöhen, entwertet er eigenmächtig sowohl das Würfelglück als auch die strategischen und taktischen Entscheidungen der Spieler.

Ebenso verhält es sich, wenn der Spielleiter mitten im Abhandeln einer Situation die Kampfkraft der Gegner verändert oder die Schwierigkeit einer Probe nach dem Würfelwurf des Spielers festlegt.

Es ist anmaßend zu glauben, die Spieler seien zu dumm um einem solchen Illusionisten-SL mittelfristig auf die Schliche zu kommen. Es wird vorhersehbar, dass die Helden im unvermeidlichen Endkampf nie sterben, aber dass NSC Oberfies immer entwischen wird. Wahres Drama entsteht nur durch Zufall, der unverhergesehene Ergebnisse liefert.

Wenn wirklich die ganze Gruppe keine Herausforderungen will, kein anspruchsvolles ARS, keinen Stress, dann ist das durchaus akzeptabel, aber dann spielt doch bitte kein System, in dem Spielerpersonnagen sterben können, spielt doch etwas mit wenig Würfelei oder gar keinen Würfeln. Niemand hat es nötig zu schummeln.

Wer den Zufall nicht respektiert, betreibt vielleicht Rollenspiel („roleplaying“), aber kein RollenspielSPIEL („roleplaying GAME“). Warum überhaupt erst würfeln, wenn man nicht mit den Ergebnissen leben kann?

SchErz erzeugt nicht Spannung, sondern Langeweile.

Schummeln ist ein Zeichen von Schwäche

Ein schummelnder Spielleiter hat Angst, dass ihm die Kontrolle über das Spielgeschehen entgleitet. Für einen souveränen Spielleiter gibt es dagegen nichts schöneres, als durch die Ereignisse am Spieltisch überrascht zu werden.

Ein kontrollierter Plot ist auf Dauer langweilig. Jeder SL kann Improvisation durch Übung lernen, so dass es mit etwas Erfahrung leichter fällt, mit unerwarteten Situationen umzugehen. Man muss schon ein richtig langweiliger Mensch sein, um das nicht zu wollen!

SchErz ist für Langeweiler und schlechte Spielleiter.

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Published in: on April 17, 2018 at 8:45 am  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Genauso isses! Daher hatte ich in meiner aktiven Zeit als DSA-Meister auch nie einen Meisterschirm, hinter dem ich verdeckt irgendetwas ausgewürfelt habe. Das Risiko des Fails gehört zum Leben des_der Rollenspielende_n dazu. Auch Punkt 2 ist ein Unding, kann ich aber bei frischen und unerfahrenen SL verstehen oder bei SL, die unbedingt den Plot durchdrücken wollen. Den Mut zum Fail auf Dee Meisterseite muss man erst erlernen. Das ist, imho, schwerer als der Mut zum Fail auf Spieler_innenseite, da hier sich die SL selber in Frage stellt (nie den Spielern_innen ist zur Not der Meister oder der Würfel schuld).

  2. Wer das Wort „SchErz“ verwendet, wird automatisch zur Lachnummer des Internets, weil er dadurch zu erkennen gibt, dass er zu den acht ARSlern gehört.


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