Die Chroniken von Tarnowo

So berichten die Chronisten im Jahr 1277 dem Zaren von der Geschichte ihres Landes:

Vorbulgarische Zeit
vorchristliche Antike: Teil des thrakischen Reiches, Verehrung von Dionysos (Bacchus) und dem legendären König Ödipus.
186 v. Chr.: Bacchanalienskandal in Rom. Zahlreiche Hinrichtungen, Zerstörungen von Orgien-Kultstätten im gesamten römischen Territorium.
29 v. Chr.: Eroberung Thrakiens durch die Römer.
0 bis 15 n. Chr.: Eroberung Moesias durch die Römer.
48 und 56 n. Chr.: Paulus verkündet den Griechen und Südthrakern die Frohe Botschaft, das Evangelium dringt erstmals bis nach Nordthrakien vor.
3./4. Jhdt.: Christianisierung der römischen Provinzen Thrakien, Moesia und Dakia.
299: Der Erzengel Michael verleiht Georg von Kappadokien heilige Drachentöterkräfte.
395: Teilung des Römischen Reiches.
6./7. Jhdt.: Proto-Bulgaren gründen das „Grosse Alte Reich“ zwischen Don und Wolga, bis zur Krim.
7. Jhdt.: Ankunft der Slawen im Balkan. Vorläufiges Ende des Christentums in Nordthrakien und Moesia.

Erstes Bulgarisches Reich
678-680: Gründung des Ersten Bulgarischen Reichs durch Khan Asparuch nördlich der Donau, Expansion südwärts mit slawischen Verbündeten auf Kosten byzantinischen Territoriums.
803-814: Khan Krum der Schreckliche verdoppelt sein Territorium durch Expansionen nach Norden bis Pest und nach Süden bis Adrianopel. Unterstützt wird er dabei von seinem Hofmagier Olympiodorus. Khan Krums schriftlich erlassenen Gesetze stärken den Staat auf Kosten des alten bulgarischen Adels und beseitigen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Den Schädel des byzantinischen Kaisers Nikephoros lässt Krum mit Silber auskleiden und nutzt ihn als Trinkgefäß.
864: Boris I. lässt sich auf den Namen Michael taufen und erhebt das Christentum zur Staatsreligion.
885: Kliment, Angelarij und Naum, drei Schüler der Slawenmissionare Kyrill und Method, kommen nach Bulgarien und prägen die religiöse Entwicklung des Landes.
893: Der regierende Prinz Wladimir und 50 seiner Bojaren wollen das Christentum in Bulgarien abschaffen und die Verehrung Tangras wieder einführen. Die christlichen Chroniken berichten von „allerlei Gewürm“, welches rund um Pliska unter der Erde vergrabenen Eiern entschlüpft und sich in die Luft erhebt.
Michael kehrt aus dem Kloster wieder, legt seinen Sohn Wladimir in Ketten und sticht ihm die Augen aus. Nach Ernennung seines Sohnes Simeon zum Herrscher kehrt Michael ins Kloster zurück.
893-927: Herrschaft Simeons des Großen, Verlegung der Hauptstadt von Pliska nach Preslaw. Glanzzeit des Ersten Bulgarischen Reichs. Zahlreiche junge Drachen werden von bulgarischen Helden erschlagen und als Trophäen am Hof Simeons ausgestellt.
899-927: Ein gewisser Olympiodorus Katabasios bietet Simeon bei schwierigen Entscheidungen magische Unterstützung an.
933-965: Der Dorfpriester Bogomil verbreitet seine häretischen Lehren in Bulgarien und gewinnt eine große Anhängerschaft. Olympiodorus tritt immer wieder als Gegenspieler Bogomils in Erscheinung, kann aber letztendlich die Ausbreitung des Bogumilentums nicht verhindern.
963-1018: Spaltung, Niedergang und Eroberung Bulgariens durch Byzanz. Ein als „der schwarze Wanko“ bezeichneter Drache erlangt traurige Berühmtheit, als er in dieser Zeit erstmals das Land verwüstet.
1014: Basileios II. von Byzanz erwirbt den Beinamen Bulgaroktónos – Bulgarenschlächter, als er tausende bulgarische Kriegsgefangene blenden lässt. Jedem 100. Gefangenen lässt er ein Auge, um 99 andere nach Hause zu führen.
1054: Großes Schisma: Spaltung der Kirche in die orthodoxe und die römisch-katholische Kirche.

Zweites Bulgarisches Reich
1185-1187: Angestachelt durch einen Zauberer, der sich als der Olympiodorus Katabasios aus den goldenen Zeiten Simeons des Großen ausgibt, lenken die Brüder Peter und Asen von Tarnowo aus einen Aufstand gegen Byzanz und gründen das Zweite Bulgarische Reich.
1204: Eroberung von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer und Gründung des Lateinischen Reichs.
1206: Mongolei: Temüdschin vereinigt die mongolischen Stämme und leitet als Dschingis Khan die Ära der mongolischen Eroberungen ein.
1209-1229: Okzitanien: Albigenserkreuzzug
1218-1241: Herrschaft des Zaren Iwan Asen II., der zahlreiche Siege erringt und sein Territorium vergrößert. Glanzzeit des Zweiten Bulgarischen Reichs. Der Einfluss der Bogumilen ist im Volk jedoch ungebrochen.
1227: Mongolei: Tod des Dschingis Khan. Seine Söhne und Enkel teilen das Mongolenreich auf und setzen die Eroberungen fort.
1235: ein Bündnis Iwan Asens II. mit der katholischen Kirche bringt die Unabhängigkeit der bulgarisch-orthodoxen Kirche in Gefahr.
1238-1242: Bulgarien wird erneut vom „schwarzen Wanko“ heimgesucht, der viel größer ist als in alten Legenden.
1238/1239: Die Kumanen fliehen vor den Mongolenhorden und lassen sich in Ungarn, am Balkan und in Byzanz nieder.
1241: Die in die mongolischen Horden eingegliederten Tataren unter Batu Khan verheeren Ungarn. Zar Iwan Asen II. bittet den zurückgezogen lebenden Olympiodorus Katabasios um Unterstützung, doch seine Boten kehren unverrichteter Dinge und dem Wahnsinn verfallen aus dem Turm des Magiers zurück. Iwan Asen II. stirbt im Kampf gegen die Tatarenen.
1242: Die Tataren fegen über Bulgarien hinweg. Bulgarien wird tributpflichtig.
1244: Okzitanien: Kapitulation der Katharer-Fluchtburg Montségur, 200 Häretiker werden bei lebendigem Leibe verbrannt.
1256: Syrien: Die Mongolen schleifen Alamut und verbrennen die Bibliothek der Assassinen.
1257: Der mazedonische Bojar Konstantin Tich wird zum Zaren von Bulgarien gewählt. Er heiratet Irina Asenina, Enkelin des Iwan Asen II., und nimmt den Familiennamen Asen an.
1258: Bagdad wird von den Mongolen unter Hülegü Khan geplündert und der Kalif erschlagen. Aus den Schädeln der Einwohner Bagdads errichten die Mongolen eine riesige Pyramide.
1260: Palästina: Der Mameluken-Heerführer Baibars schlägt die Mongolen in der Schlacht von Ain-Djalut und schwingt sich in Kairo zum Sultan auf.
1261: Rückeroberung Konstantinopels durch die Byzantiner. Der Zauberer Michael Palaiologos belegt den rechtmäßigen Erben mit einer magischen Blindheit und reißt als Michael VIII. die Kaiserkrone an sich.
1268-1272: Palästina: Siege Baibars gegen die Kreuzfahrerstaaten, zahlreiche Massaker und Massenversklavungen. Die Christen reagieren mit einem letzten Kreuzzug. Nach dem Frieden von 1272 verbleiben lediglich Akkon, Beirut, Tyrus, Sidon, Tripolis und Gibelet in christlicher Hand. Karl von Anjou lässt sich für die Friedensvermittlung teuer bezahlen.
1267: Kublai Khan bestätigt Möngke Timur als Khan der Goldenen Horde.
1269: Der verwitwete Zar Konstantin Tich Asen heiratet Maria Palaiologa, eine Nichte des Michael VIII. von Byzanz. Der Hochzeitstag wird von einem bösen Omen begleitet: ein Dorf in der Nähe der Tarnowos wird vom „schwarzen Wanko“ vernichtet.
Maria ermutigt Konstantin zum Angriff auf Byzanz, welches ihre Mitgift in Form mehrerer Hafenstädte verweigert. Konstantin verbündet sich mit Karl von Anjou. Michael VIII. verbündet sich mit Nogai Khan, einem Heerführer Möngke Timurs, gegen Bulgarien.
1272: Michael Tich Asen, der zweijährige Sohn Konstantins und Marias, wird zum Mit-Zar gekrönt.
1274-1277: Immer wieder taucht der Drache „schwarzer Wanko“ auf und verwüstet bulgarisches Land.
1274: Zweites Konzil von Lyon: Michael VIII. sichert Rom vertraglich die Kirchenunion mit Byzanz zu (der sich die orthodoxe Kirche allerdings widersetzt) und der Papst zwingt Karl von Anjou, seine offene Unterstützung Bulgariens zu beenden. Bulgarien ist nun machtlos gegen die Plünderungen durch die Tataren Nogai Khans.
1276: Oberitalien: Untergang der Katharer-Festung Sirmione, Verhaftung der Häretiker durch die Inquisition.
Bulgarien: Thronanwärter Jakob Swetoslaw, Despot von Bdin, wird vergiftet.

1277 – Kampagnenbeginn:
Sizilien: Karl von Anjou kauft Erbrechte an Jerusalem und schickt Truppen nach Akkon.
Kairo: Sultan Baibars stirbt, Nachfolger wird sein Sohn Barakan.
Bulgarien: Der Schweinebauer Iwajlo organisiert eine Bauernarmee und vernichtet eine tatarische Streitmacht. Anschließend führt er einen Aufstand gegen die Bojaren an und erobert den Nordosten. Zar Konstantin Tich Asen stellt sich ihm entgegen und wird von Ivajlo erschlagen. Der Pöbel läuft in Tarnowo auf die Straßen und jubelt. Byzanz rekrutiert Söldner.

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Published in: on Februar 25, 2014 at 6:40 pm  Schreibe einen Kommentar  
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